Mehr Zufriedenheit durch die Optimierung von 3 Ressourcen
Interview mit Dr. Reto Odermatt
In der heutigen Zeit streben wir alle nach mehr Zufriedenheit und einem erfüllten Leben. Doch was macht uns wirklich glücklich? In der neuesten Folge des Atempause Podcasts spricht Timo mit dem Forscher Dr. Reto Odermatt von der Universität Basel über ein Thema, das auf den ersten Blick gegensätzlich wirkt: die ökonomische Glücksforschung.
Was hat harte Ökonomie mit unserem inneren Wohlbefinden und der Atmung zu tun? Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. In diesem Artikel erfährst du, warum Geld, Zeit und Energie die Währungen deines Glücks sind und wie du sie meisterst.
DIE DREI SÄULEN DEINER ZUFRIEDENHEIT: GELD, ZEIT UND ENERGIE
Die Ökonomie ist im Kern eine Methode, um menschliches Verhalten zu verstehen. Es geht darum, wie wir knappe Güter einsetzen, um den größtmöglichen Nutzen – in diesem Fall Lebenszufriedenheit – zu erzielen. Dr. Odermatt definiert drei zentrale Ressourcen:
GELD: Eine Ressource, die theoretisch unendlich vermehrbar ist, aber oft mit einem abnehmenden Grenznutzenverbunden ist.
ZEIT: Unsere kostbarste Ressource. Sie ist absolut endlich, und niemand von uns weiß, wie viel ihm davon bleibt.
ENERGIE: Die Kapazität unseres Körpers und Geistes, aktiv am Leben teilzunehmen.
Viele Menschen begehen den Fehler, ihre Zeit und Energie fast ausschließlich gegen Geld einzutauschen. Die Forschung zeigt jedoch, dass ab einem gewissen Einkommensniveau die zusätzliche Zufriedenheit durch mehr Geld massiv abnimmt. Wir gewöhnen uns an Luxus, aber wir gewöhnen uns nie an den Verlust von Lebenszeit oder chronischen Energiemangel.
DER FEHLER BEI DER SELBSTOPTIMIERUNG: WARUM WIR UNS OFT FALSCH ENTSCHEIDEN
Ein zentrales Problem unserer Psyche ist das sogenannte Affective Forecasting. Wir sind schlichtweg schlecht darin, vorherzusagen, was uns in der Zukunft langfristig glücklich macht. Oft überschätzen wir den Wert materieller Güter und unterschätzen soziale Werte sowie unsere mentale Gesundheit.
Wir kaufen ein größeres Haus und gewöhnen uns innerhalb weniger Monate an den neuen Standard. Was bleibt, ist oft ein höherer Arbeitsaufwand, um den Kredit zu bedienen – wir opfern also Zeit für ein Objekt, das uns emotional nicht mehr bereichert. Hier setzt die Arbeit von Timo an: Durch Methoden wie Restorative Breathing lernen wir, wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren und unsere inneren Werte wahrzunehmen, statt äußeren Statussymbolen hinterherzujagen.
DAS PARADOX DER WAHL: WARUM MEHR NICHT IMMER BESSER IST
Ein faszinierender Aspekt der Glücksforschung ist das sogenannte „Paradox of Choice“. Wir glauben oft, dass maximale Wahlfreiheit uns glücklicher macht. Doch das Gegenteil ist häufig der Fall. Wenn wir zwischen 15 verschiedenen Jeans oder unzähligen Jobangeboten wählen können, steigen die psychologischen Opportunitätskosten.
Das bedeutet: Während wir uns für eine Option entscheiden, betrauern wir unbewusst all die anderen tollen Möglichkeiten, die wir im Laden oder auf dem Arbeitsmarkt gelassen haben. Dieses Gefühl des Fear of Missing Out (FOMO) reduziert die Freude an unserer eigentlichen Wahl. Restorative Breathing hilft hier, die Gedanken zu beruhigen. Indem wir lernen, im Moment präsent zu sein, können wir die ständige Suche nach dem „noch Besseren“ stoppen und echte Zufriedenheit mit unserer getroffenen Entscheidung finden.
DIE KRAFT DER VERÄNDERUNG: WAS WIR AUS DER PANDEMIE GELERNT HABEN
Dr. Odermatt beobachtet das Phänomen des „Great Quit“. Die Pandemie hat viele Menschen gezwungen, ihren Alltag zu hinterfragen. Wenn das Hamsterrad kurz anhält, merken wir plötzlich, dass es ein Privileg ist, Zeit mit der Familie zu verbringen oder einfach nur tief durchzuatmen.
Wir sind Gewohnheitstiere. Wenn wir zu lange im selben Job feststecken, sinkt unsere Zufriedenheit messbar. Unser Gehirn ist für die Exploration geschaffen – für das Entdecken von Neuem. Restorative Breathing kann hier als Katalysator wirken. Indem wir das autonome Nervensystem regulieren, schaffen wir den mentalen Raum, um mutige Entscheidungen zu treffen und aus ungesunden Mustern auszubrechen.
ATEM ALS RESSOURCE: DIE VERKNÜPFUNG ZUR ENERGIE
Während Geld gedruckt werden kann, ist deine Energie direkt an deine physiologischen Prozesse gekoppelt. Wie du atmest, bestimmt, wie viel Energie deinem System zur Verfügung steht. Ein flacher, hektischer Atem signalisiert dem Körper Stress und verbraucht unnötig Ressourcen.
Wenn wir Restorative Breathing praktizieren, optimieren wir unsere inneren Abläufe. Wir haushalten besser mit unserer Energie, was uns wiederum erlaubt, unsere Zeit qualitativ hochwertiger zu nutzen. Es geht darum, nicht nur zu überleben, sondern mit voller Kraft präsent zu sein.
DIE 5 SÄULEN EINES ZUFRIEDENEN LEBENS
Dr. Odermatt bricht die wissenschaftliche Komplexität auf fünf fundamentale Bereiche herunter, die für unser Wohlbefinden entscheidend sind:
FINANZIELLE SICHERHEIT: Nicht Reichtum, sondern die Abwesenheit von existenziellem Stress ist der Schlüssel.
SINNSTIFTENDE ARBEIT: Da wir einen Großteil unserer Zeit im Beruf verbringen, ist Engagement dort ein massiver Glücksfaktor.
PHYSISCHE GESUNDHEIT: Unsere körperliche Verfassung ist die Basis unserer Energie.
SOZIALE VERBUNDENHEIT: Die Qualität unserer Beziehungen ist der stärkste Prädiktor für Glück.
AKTIVE FREIZEITGESTALTUNG: Aktivitäten im Flow-Zustand und Bewegung in der Natur.
VON DER EXTRINSISCHEN ZUR INTRINSISCHEN MOTIVATION
Ein tiefer Punkt des Interviews ist die Unterscheidung zwischen äußerem Antrieb (Geld, Status) und der inneren Flamme. Viele von uns sind so erzogen worden, dass wir nur für eine Belohnung Leistung erbringen. Das führt dazu, dass wir den Kontakt zu unserer intrinsischen Motivation verlieren.
Timo betont, dass der Weg zurück zu sich selbst ein Entdeckungsprozess ist. Es geht darum, sich von den Erwartungen der Gesellschaft zu entkoppeln und sich zu fragen: „Was will ICH wirklich?“ Wenn du eine Leidenschaft wie Timo in seiner Arbeit findest, wird „Arbeit“ zu einer Quelle von Freude statt zu einer Last.
DIE ATEMPAUSE ALS WERKZEUG DER SELBSTREFLEXION
Wie findet man nun heraus, an welcher Stellschraube man drehen muss? Dr. Odermatt schlägt vor, regelmäßig Abstandzu gewinnen. Das muss kein Sabbatical sein – oft reicht eine kleine, bewusste Unterbrechung im Alltag.
Eine bewährte Methode ist die buddhistische Praxis des Innehaltens: Ein Timer erinnert uns daran, kurz alles stehen zu lassen und drei tiefe Atemzüge zu nehmen. Diese kurze Atempause ermöglicht es uns, aus dem Autopiloten auszusteigen und zu prüfen: „Passt das gerade noch zu mir?“
WENIGER TUN, UM MEHR ZU SEIN
Oft bedeutet Optimierung nicht, noch mehr in den Tag zu packen, sondern Dinge wegzulassen. Timo berichtet von beeindruckenden Beispielen aus seiner Arbeit: Menschen, die nach Jahrzehnten das Rauchen aufgeben oder toxische Arbeitsverhältnisse beenden, einfach weil sie durch die Atemarbeit wieder eine tiefere Verbindung zu ihrem Körper aufgebaut haben.
FAZIT: EXPERIMENTIERE MIT DEINEM GLÜCK
Glück ist kein Ziel, das man einmal erreicht, sondern ein dynamischer Prozess. Dr. Odermatt plädiert für mehr Experimentierfreude:
Probier einen Monat ohne Kaffee oder Alkohol.
Lass das Handy mal einen Tag zu Hause.
Brich deine gewohnten Routinen auf, um eine Außenperspektive zu gewinnen.
Indem wir unsere Zeit weise nutzen, unsere Energie durch Restorative Breathing schützen und unser Geld als Mittel zur Sicherheit statt als Statussymbol sehen, kreieren wir eine neue Form der Zufriedenheit. Der Weg zu einem erfüllten Leben beginnt immer bei dir selbst und der bewussten Entscheidung, wie du deine Ressourcen heute einsetzen möchtest.
