#111 – Nervensystem regulieren: Im Expertentalk mit Katharina Bähner

Atempause Podcast Cover mit Timo Niessner
In dieser Folge spreche ich mit Craniosacral Therapie Ausbilderin und Heilpraktikerin Katharina Bähner über die Regulation unseres Nervensystems.
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NERVENSYSTEM REGULIEREN

DER EXPERTENTALK ZWISCHEN RESTORATIVE BREATHING UND CRANIOSACRALER THERAPIE

In der heutigen hektischen Welt ist ein reguliertes Nervensystem der Schlüssel zu Gesundheit, Belastbarkeit und innerem Frieden. Doch wie schaffen wir es, aus dem Modus der ständigen Anspannung auszubrechen? In dieser besonderen Episode spricht Timo mit der Expertin Katharina Bähner von Cranio Stuttgart. Gemeinsam beleuchten sie die faszinierenden Parallelen zwischen der craniosacralen Therapie und der Kraft des Atems – speziell durch die Methode des Restorative Breathing.

DIE VERBINDUNG VON ATEM UND CRANIOSACRALER THERAPIE

Das Nervensystem reagiert unmittelbar auf äußere Reize, aber wir haben kraftvolle Werkzeuge, um es von innen heraus zu beeinflussen. Timo und Katharina kombinieren ihr Wissen, um zu zeigen, wie der Lungenatem und der craniosacrale Rhythmus Hand in Hand gehen.

Die craniosacrale Arbeit basiert auf einem feinen Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit. Dieser Rhythmus hat, genau wie unsere Atmung, eine Einatemphase und eine Ausatemphase. Dazwischen liegt ein entscheidender Moment: der Still Point. In der Welt von Restorative Breathing nennen wir das die Atempause. Es ist dieser Moment der absoluten Stille, in dem das System des Körpers wirklich auftanken und sich reorganisieren kann.

DIE VIER PHASEN DER ATMUNG: REIN INS GEFÜHL, RAUS AUS DEM KOPF

Ein häufiger Fehler bei Atemübungen ist das starre Festhalten an Zahlen. Timo betont im Talk, dass Zählen (wie beim Box Breathing) für Anfänger hilfreich sein kann, aber langfristig oft limitiert. Das Ziel von Restorative Breathing ist es, zurück ins Körpergefühl zu finden.

Anstatt Sekunden zu zählen, sollten wir uns auf die vier Phasen des Atemzyklus konzentrieren:

  1. Die Einatmung.

  2. Die Pause nach der Einatmung (Fülle).

  3. Die Ausatmung.

  4. Die Pause nach der Ausatmung (Leere).

Wenn du versuchst, jede dieser Phasen so weit zu verlängern, wie es sich für dich wohlfühlt, beginnt dein System automatisch, sich neu zu regulieren. In praktischen Sessions führt dies oft dazu, dass Teilnehmer ihre Atemfrequenz intuitiv auf unter drei Atemzüge pro Minute senken – ganz ohne Druck oder Stoppuhr.

DER LUHTHUNGER: WARUM WIR UNS AN DIE SCHWELLE WAGEN

Besonders beim Sport oder beim Apnoetauchen begegnet uns ein Phänomen: der Lufthunger. Katharina beschreibt, dass sie beim Joggen oft das Bedürfnis hat, durch den Mund zu atmen, sobald es anstrengend wird. Timo erklärt hierzu: Dieser Lufthunger ist primär eine Angstreaktion des Gehirns auf steigende CO2-Werte.

Wer jedoch lernt, diese Schwelle zu halten und weiterhin durch die Nase zu atmen, profitiert massiv:

  • Bessere Sauerstoffversorgung: CO2 ist der Schlüssel, damit der Sauerstoff überhaupt erst in die Zellen gelangt (Bohr-Effekt).

  • Niedrigere Herzfrequenz: Sportler, die auf Nasenatmung umstellen, leisten bei gleicher Herzfrequenz oft mehr.

  • Schnellere Regeneration: Das System gerät nicht in einen Panikmodus, sondern bleibt im Flow.

EMOTIONALE BLOCKADEN LÖSEN: WUT UND ANSPANNUNG RAUSLASSEN

Nicht jede Regulation bedeutet Stille. Manchmal steckt unser Nervensystem in einer Starre fest. Hier hilft es, der Ausatmung einen Ton zu geben. Ein tiefes “Ahhhhh” oder ein Brummen hilft dabei, angestaute Emotionen wie Wut oder Angst physisch aus dem Körper zu leiten.

Timo erklärt, dass wir oft zu flach atmen, wenn wir gestresst sind. Das reduziert den CO2-Gehalt im Blut und führt zu Symptomen wie Kribbeln oder der sogenannten “Pfötchenstellung”. Durch gezieltes, tiefes Ausatmen – bis der Bauch sich leicht anspannt – unterbrechen wir diesen Teufelskreis der Hyperventilation.

DIE BASELINE: ZURÜCK ZUR NATÜRLICHEN ATMUNG IM ALLTAG

Unser moderner Alltag mit Handys, Lärm und ständigem Zeitdruck ist unnatürlich. Wir leben in einem Zustand chronischer Überaktivierung. Das Ziel von Restorative Breathing ist es, eine neue Baseline zu schaffen.

“Es geht nicht darum, den ganzen Tag gleich zu atmen. Es geht darum, immer wieder zur natürlichen Baseline zurückzukehren.”

Diese Baseline zeichnet sich aus durch:

  • Primäre Nasenatmung.

  • Horizontale Bauchatmung.

  • Entpannte Schultern und lockerem Kiefer.

  • Eine Atemfrequenz im einstelligen Bereich (ca. 5 bis 6 Atemzüge pro Minute).

Wenn wir diese Basis immer wieder festigen, funktionieren unser Gehirn und unser Herz-Kreislauf-System am effizientesten. Wir sind präsent, machen weniger Fehler und fühlen uns am Ende des Tages nicht komplett “platt”.

RESTORATIVE BREATHING LERNEN: DIE AUSBILDUNG MIT TIMO

Für alle, die tiefer in die Materie eintauchen wollen, bietet Timo ein umfassendes Ausbildungssystem an. Dabei geht es nicht nur um Theorie, sondern um die Anwendung in allen Lebensbereichen – vom besseren Schlaf über Gewichtsmanagement bis hin zur Auflösung von Traumata.

Die Ausbildung ist in drei Levels unterteilt:

  1. Level 1 (Essentials & Teacher Training 1): Fokus auf funktionelle Atmung. Wo stehst du? Wie erreichst du deine persönlichen Ziele? Ideal für Coaches und Therapeuten.

  2. Level 2 (Intensiv): Arbeit mit emotionalen Blockaden. Hier kommen Techniken wie das holotrope Atmen zum Einsatz, um tief sitzende Themen zu lösen.

  3. Level 3 (Master): Die Befähigung, selbst Kurse im Bereich Restorative Breathing zu leiten und die Methode in die Welt zu tragen.

Zusätzlich erscheint im April Timos neues Buch mit dem Titel “FREI ATMEN”. Es verbindet die Essenz des Apnoetauchens mit praktischen Mental- und Atemübungen für jedermann.

FAZIT: DEIN ATEM ALS ANKER

Der Expertentalk zwischen Timo und Katharina macht eines deutlich: Wir tragen das mächtigste Werkzeug zur Selbstheilung bereits in uns. Ob durch die sanfte Berührung der craniosacralen Therapie oder die bewusste Führung des Atems – wir können unser Nervensystem aktiv darin unterstützen, in den Lebensfluss zurückzufinden.

Fang heute an: Atme tief durch die Nase ein, spüre die Fülle, atme vollständig aus (vielleicht mit einem leichten Brummen) und genieße die Stille der Atempause. Dein Körper wird es dir danken.

Bring deine Atmung auf ein neues Level im wöchentlichen Atempause-Atemtraining oder mit dem kostenlosen 7-Tage-Atemjournal
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