#123 – Migräne weg atmen

Atempause Podcast Cover mit Timo Niessner
In dieser Episode spreche ich zusammen mit Meike Statkus über Migräne und die Atmung.
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Migräne weg atmen - Welche Faktoren eine Migräne bedingen

IM INTERVIEW MIT MEIKE STATKUS

Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Für Betroffene bedeutet sie oft Tage voller Isolation, Schmerz und dem Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren. Im Atempause Podcast spricht Timo mit der Expertin Meike Statkus darüber, wie man durch gezielte Ansätze und Restorative Breathing einen Weg aus der Schmerzspirale finden kann. Meike ist nicht nur Migränecoach und Heilpraktikerin für Psychotherapie, sondern war selbst jahrelang chronische Schmerzpatientin. Sie weiß genau, dass Standardratschläge wie „Vermeiden Sie Stress“ im Alltag oft schwer umzusetzen sind.

WAS IST MIGRÄNE WIRKLICH? EINE NEUROLOGISCHE PERSPEKTIVE

Häufig wird Migräne von Außenstehenden belächelt oder mit einem normalen Spannungskopfschmerz verwechselt. Doch wie Meike im Gespräch mit Timo erklärt, handelt es sich um eine ernstfeste neurologische Erkrankung. Das Hauptmerkmal eines „Migräne-Gehirns“ ist eine sogenannte Filterfunktionsstörung. Das bedeutet, das Gehirn ist extrem reizsensitiv. Während ein gesundes Gehirn unwichtige Reize – wie das Summen eines Kühlschranks oder Hintergrundgespräche – einfach ausblendet, nimmt ein Migräne-Gehirn alles ungefiltert auf.

Diese Hochsensibilität hat durchaus positive Seiten: Betroffene sind oft wahnsinnig schnell im Kopf, können komplexe Themen bündeln und nehmen Nuancen wahr, die anderen entgehen. Der Nachteil? Dieser „Hochleistungsmotor“ verbraucht enorme Mengen an Energie. Wenn der „Sprit“ alle ist, kippt das System in eine Migräneattacke.

 

DAS ENERGIEMANAGEMENT: WARUM DER AKKU BEI MIGRÄNE SCHNELLER LEER IST

Ein zentraler Punkt im Coaching von Meike Statkus ist das Verständnis von Energie. Energieverlust entsteht bei Migränikern nicht nur durch körperliche Anstrengung oder negativen Stress. Auch positive Aufregung, Überraschungen oder die ständige Verarbeitung von Sinnesreizen kosten wertvolle Ressourcen.

Viele Betroffene haben verlernt, ihre eigenen Grenzen rechtzeitig zu spüren. Oft merken sie erst, dass sie über ihre Limits gegangen sind, wenn die Attacke bereits rollt. Hier setzt die Arbeit von Timo an: Durch Methoden wie Restorative Breathing lernen wir, das Nervensystem proaktiv zu regulieren, bevor der energetische Bankrott eintritt. Es geht darum, das Reizmanagement so zu gestalten, dass man nicht ständig auf „Reserve“ fährt.

 

DIE FILTERSTÖRUNG: WENN DAS GEHIRN NICHT MEHR WEGHÖRT

Ein besonders spannender Aspekt des Gesprächs ist das Beispiel des unterschwelligen Lärms. Während die meisten Menschen das Geräusch eines Rasenmähers nach einigen Minuten ignorieren können, bleibt dieser Reiz bei einem Migräne-Patienten präsent. Das Gehirn meldet ununterbrochen: „Da ist ein Geräusch, da ist ein Geräusch!“ Diese Dauerbelastung führt dazu, dass das sprichwörtliche Fass viel schneller überläuft.

Timo und Meike diskutieren hierbei auch die moderne Welt: Großraumbüros, ständiger Verkehr und soziale Erwartungen erhöhen die Reizdichte massiv. Viele greifen zu Noise-Cancelling-Kopfhörern, doch das ist oft nur Symptombekämpfung. Die wahre Lösung liegt darin, die eigene Achtsamkeit zu schärfen und Umgebungen zu schaffen (oder zu wählen), die dem sensiblen Nervensystem gerecht werden.

 

ALLTAGSSTRESS UND SOZIALES UMFELD: DEN EIGENEN RAUM FINDEN

Oft kommen neue Belastungen schleichend hinzu: Kinder, berufliche Aufstiege oder schwierige Nachbarn. Meike betont, dass wir oft gar nicht merken, was uns am meisten anstrengt. Es ist selten das eine große Ereignis, sondern die Summe kleiner, unverarbeiteter Stressoren. Eine anstrengende Freundschaft, die täglich Energie raubt, kann hier schwerer wiegen als ein stressiger Arbeitstag.

Für Mütter oder Menschen in verantwortungsvollen Positionen ist das Thema „Nein-Sagen“ entscheidend. Pausen werden oft als Luxus oder Faulheit missverstanden, dabei sind sie für ein Migräne-Gehirn überlebenswichtig. Timoergänzt hierbei, dass es darum geht, von der Außenorientierung zurück ins Innen zu kommen.

 

DIE ROLLE DER ATMUNG: PRÄVENTION STATT FEUERWEHR

Wenn die Migräneattacke erst einmal voll eingeschlagen hat, ist es für komplexe Übungen oft zu spät. „Wenn das Haus brennt, kommt die Feuerwehr“, sagt Meike. In diesem Moment helfen Medikamente und Dunkelheit. Die wahre Arbeit mit Restorative Breathing findet jedoch statt, bevor es brennt.

Timo nutzt die Atmung als Werkzeug, um das System in den Reset-Modus zu bringen. Durch gezielte Übungen wird der Parasympathikus aktiviert, was die Entzündungsbereitschaft im Körper senkt. Meike empfiehlt hier besonders die Bauchatmung, da bei Schmerzpatienten oft das Zwerchfell und der Nacken extrem verspannt sind. Eine tiefe, bewusste Atmung schafft buchstäblich Raum im Körper und löst das Gefühl der Enge, das viele als „Helm auf dem Kopf“ beschreiben.

 

METHODEN AUS DER TIEFE: EMDR UND GLAUBENSSÄTZE

In ihrem Coaching und ihrem Buch “Migränefrei – Endlich Frieden im Kopf” geht Meike Statkus über reine Entspannung hinaus. Sie arbeitet mit EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), einer Methode aus der Traumatherapie. Dabei wird das Gehirn stimuliert, um negative Erlebnisse oder Stressoren neu zu verarbeiten.

Oft liegen unter der Migräne tief sitzende Glaubenssätze wie „Ich muss perfekt funktionieren“ oder „Ich darf keine Schwäche zeigen“. Diese mentalen Programme fressen ununterbrochen Energie. Erst wenn wir diese „Themen unterm Teppich“ aufräumen, gewinnen wir die Kapazitäten zurück, die wir für ein beschwerdefreies Leben brauchen.

 

SELBSTWIRKSAMKEIT: VOM OPFER ZUM GESTALTER

Der wichtigste Schritt zur Besserung ist das Erreichen der Selbstwirksamkeit. Anstatt sich dem Schicksal Migräne machtlos ausgeliefert zu fühlen, lernen die Klienten von Meike und die Hörer von Timo, dass sie aktiv Einfluss nehmen können.

Hier sind drei zentrale Säulen für den Alltag:

  1. Pausenmanagement: Verstehe deinen Energiehaushalt und plane Erholung fest ein.

  2. Reizreduktion: Identifiziere deine größten Trigger und minimiere sie konsequent.

  3. Körperarbeit: Nutze Restorative Breathing, um dein Nervensystem täglich zu kalibrieren.

 

FAZIT: DER WEG ZUM FRIEDEN IM KOPF

Es gibt keinen „Zaubertrick“, der Migräne über Nacht verschwinden lässt. Doch wie Meike Statkus im Gespräch mit Timo verdeutlicht, ist eine drastische Reduktion der Attacken möglich. Es erfordert Mut, ins Innen zu schauen, Routinen zu hinterfragen und die Atmung als täglichen Begleiter zu akzeptieren.

Restorative Breathing ist dabei ein Puzzleteil, das – richtig eingesetzt – den entscheidenden Unterschied machen kann. Es geht darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen und den Schmerz nicht mehr nur zu bekämpfen, sondern das System so zu stärken, dass der Schmerz gar nicht erst entstehen muss.

Wichtiger Hinweis: Wenn du mehr über Meikes Ansätze erfahren möchtest, schau dir ihr Buch “Migränefrei” an oder höre tiefer in den Atempause Podcast hinein.

 

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