#178 – ME mit Breathwork besiegen: Im Interview mit Lena von MindBodySync

Atempause Podcast Cover mit Timo Niessner
In dieser Folge spreche ich mit Lena von MindBodySync über ME und Breathwork.
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ME mit Breathwork besiegen

INTERVIEW MIT LENA VON MINDBODYSYNC

Stell dir vor, von heute auf morgen wird dir der Stecker gezogen. Sport, Arbeit, soziale Kontakte – alles, was dein Leben ausmachte, ist plötzlich unerreichbar. Genau das erlebte Lena im Jahr 2022. Nach einer Infektion wurde sie mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) konfrontiert. In der neuen Podcastfolge spricht Timo mit ihr darüber, wie sie sich aus der Bettlägerigkeit zurückgekämpft hat. Ein entscheidender Schlüssel auf diesem Weg: Restorative Breathing und ein tiefes Verständnis für das eigene Nervensystem.

DER WEG AUS DER KRANKHEITSIDENTITÄT: LENAS GESCHICHTE

Lena war 29 Jahre alt, sportlich und lebensfroh, als sie die Diagnose ME/CFS erhielt. Was folgte, war ein Jahr, das sie fast ausschließlich im Bett verbrachte. Doch anstatt sich mit dem Stempel „unheilbar“ abzufinden, begann sie, den menschlichen Körper als ganzheitliches System zu begreifen.

Heute bezeichnet sich Lena als genesen. Sie arbeitet wieder, treibt viermal die Woche Sport und reist um die Welt. Der Weg zurück war kein Sprint, sondern ein Marathon der kleinen Schritte. Der wichtigste Hebel war dabei der Wechsel von der rein schulmedizinischen Symptombekämpfung hin zu einem holistischen Ansatz, der die Verbindung zwischen Kopf und Körper – den Mind-Body-Sync – in den Mittelpunkt stellt.

 

WISSEN ALS ERSTES HEILMITTEL: DAS NERVENSYSTEM VERSTEHEN

Der erste Schritt in Lenas „Heilungs-Cocktail“ war nicht etwa eine Pille, sondern Bildung (Education). Um aus der ständigen Angstspirale auszusteigen, musste sie verstehen, was in ihrem Körper passiert. ME/CFS und Long Covid sind oft Ausdruck eines massiv disregulierten Nervensystems. Der Körper befindet sich in einer permanenten Alarmbereitschaft.

Jeder Reiz – sei es Licht, Lärm oder das bloße Zähneputzen – wird vom Gehirn fälschlicherweise als lebensbedrohliche Gefahr eingestuft. Das Ergebnis ist ein körperlicher „Shutdown“. Erst als Lena verstand, dass sie nicht „sterbenskrank“ ist, sondern ihr Nervensystem lediglich Schutzmechanismen überstrapaziert, konnte die eigentliche Arbeit beginnen.

 

RESTORATIVE BREATHING: DIE BRÜCKE ZURÜCK IN DEN KÖRPER

Im Gespräch mit Timo betont Lena, dass die Atmung für sie weit mehr als nur Sauerstoffaufnahme war. Sie war der Anker, um aus dem Gedankenkarussell der Sorgen und Zweifel zurück in das Hier und Jetzt zu finden.

 

WARUM DIE AUSATMUNG ENTSCHEIDEND IST

Viele Menschen mit chronischer Erschöpfung neigen zu einer flachen, brustlastigen Atmung, die einer Hyperventilation gleicht. Man atmet viel ein, aber nicht vollständig aus. Dies signalisiert dem Körper permanent Stress. Timo und Lena erklären, dass der Fokus beim Restorative Breathing zuerst auf der Verlängerung der Ausatmung liegen muss. Dies aktiviert den Parasympathikus – unseren „Ruhenerv“ – und senkt aktiv den Puls und die Alarmbereitschaft des Systems.

 

DIE EVOLUTION DER ATEMTECHNIKEN

Lena startete mit extrem niederschwelligen Übungen. Erst als sich eine gewisse Baseline stabilisierte, integrierte sie fortgeschrittene Techniken:

  1. Nasal Breathing: Die konsequente Nasenatmung zur Filterung und besseren Sauerstoffverwertung.

  2. Box Breathing: Zur direkten Beruhigung des vegetativen Nervensystems.

  3. Buteyko-Atmung: Um die CO2-Toleranz zu trainieren und die Durchblutung der Gefäße (Vasodilatation) zu fördern.

 

DIE EIGENE BASELINE FINDEN: DAS PRINZIP DER DOSIERUNG

Ein kritischer Punkt, den Timo im Podcast hervorhebt, ist die Gefahr der Überforderung. Gerade bei ME/CFS kann zu intensives Breathwork das System erneut triggern. Lena musste lernen, ihre „Baseline“ zu finden – das Aktivitätsniveau, das keine Zustandsverschlechterung (Crash) auslöst.

Sie vergleicht den Heilungsprozess mit sportlichem Training: Man setzt einen Reiz (z. B. Zähneputzen oder eine kurze Atemübung), gefolgt von einer bewussten Regenerationsphase. Nur wenn die Dosis stimmt, kann der „mentale Muskel“ wachsen, ohne dass das Nervensystem in den Shutdown geht.

 

SENSIBILITÄT ALS KOMPASS STATT ALS SCHWÄCHE

Oft betrachten wir eine erhöhte Sensibilität gegenüber Reizen als Defizit. Lena hat einen radikalen Perspektivwechsel vollzogen. Heute sieht sie ihr feinfühliges Nervensystem als Warnsystem, das ihr sofort spiegelt, wenn sie nicht im „Alignment“ lebt – also wenn sie gegen ihre eigenen Werte oder Bedürfnisse handelt.

Statt die Sensibilität zu bekämpfen, nutzt sie Techniken wie das Neurogene Zittern, Yoga Nidra oder Kältereize, um ihr System immer wieder zu regulieren. Es geht nicht darum, nie wieder gestresst zu sein, sondern die Werkzeuge zu haben, um schnell wieder in die Mitte zu finden.

 

DER DOMINO-EFFEKT: TRIGGER ERKENNEN UND GRENZEN SETZEN

Heilung findet nicht im Vakuum statt. Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Lena beschreibt den Prozess wie eine Reihe von Dominosteinen. Wenn der erste Stein (ein Trigger wie Stress oder eine unterdrückte Emotion) fällt, ist es die Kunst der Achtsamkeit, den Finger dazwischenzuhalten, bevor die gesamte Kette umkippt.

Dazu gehört:

  • Ehrliche Kommunikation: Mit dem Partner und Freunden über Ängste und Grenzen sprechen.

  • Psychologische Arbeit: Trauma-Arbeit (z. B. EMDR oder Hypnose), um tief sitzende Disregulationen zu lösen.

  • Radikale Akzeptanz: Den Widerstand gegen den aktuellen Zustand aufgeben. Widerstand erzeugt Stress – Akzeptanz erzeugt Raum für Heilung.

 

FAZIT: DER WEG ZURÜCK BEGINNT BEI DIR

Lenas Reise zeigt, dass Heilung bei ME/CFS und Long Covid möglich ist, wenn man bereit ist, tief in die Eigenverantwortung zu gehen. Es gibt keinen „Quick Fix“, aber es gibt kraftvolle Tools wie Restorative Breathing, die jedem zur Verfügung stehen.

Wie Lena treffend sagt: „Meistens ist der Widerstand das Problem, der das Leid ausmacht.“ Wenn wir lernen, liebevoll und geduldig mit uns selbst zu sein, geben wir unserem Körper die Chance, sich selbst zu regulieren.

 

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