WIE ATEMTRAINING BEI STRESS UND BLUTHOCHDRUCK HILFT: EIN ERFAHRUNGSBERICHT
INTERVIEW MIT MICHAEL UNTERSTEINER
In der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt, besonders in technischen Führungspositionen, gehört Stress oft zum Alltag wie der morgendliche Kaffee. Doch was passiert, wenn der Körper signalisiert, dass das Limit erreicht ist? In dieser Folge des Atempause-Podcasts begrüßt Timo seinen Gast Michael Untersteiner. Michael ist IT-Führungskraft, dreifacher Familienvater und kurz vor dem Abschluss seiner RB®️ Master Breathwork Coach Ausbildung.
Sein Weg zeigt eindrucksvoll, wie die bewusste Arbeit mit dem Atem nicht nur das mentale Wohlbefinden steigert, sondern messbare körperliche Erfolge bei Bluthochdruck und sportlicher Leistung erzielt.
DER WECKRUF: BLUTHOCHDRUCK MIT 40
Für viele beginnt die Reise zur Achtsamkeit erst, wenn die Gesundheit streikt. Bei Michael war es die erste Vorsorgeuntersuchung mit 40 Jahren. Die Diagnose: leichter Bluthochdruck. Ein Wert von 150 zu 100 war das Resultat eines stressigen Alltags zwischen IT-Projekten und einem lebhaften Familienleben.
Anstatt sich nur auf Medikamente zu verlassen, suchte Michael nach Alternativen. Über die Meditation fand er schnell den Weg zur spezifischen Atemarbeit. Während populäre Methoden wie die von Wim Hof einen ersten Einblick gaben, suchte Michael nach einem ganzheitlicheren Ansatz, der über bloße Biohacks hinausgeht. Dies führte ihn zu Timo und der Methode des Restorative Breathing.
WARUM RESTORATIVE BREATHING?
Michael suchte einen seriösen Anbieter, der das volle Spektrum der Atmung abdeckt, ohne dabei zu tief in die rein spirituelle Yoga-Ecke (Pranayama) abzudriften. Besonders spannend fand er Timos Hintergrund als Apnoe-Taucher. Wer minutenlang ohne Sauerstoff unter Wasser bleibt, muss sein Stresslevel und seine Physiologie perfekt beherrschen.
In der Ausbildung zum Teacher wurde schnell klar: Es geht nicht nur um Techniken, sondern vor allem um die Selbsterfahrung. Man kann nur weitergeben, was man selbst durchfühlt hat.
DER ERSTE SCHRITT: DIE STEIGERUNG DER SELBSTWAHRNEHMUNG
Für jemanden aus der IT, wo Logik, Zahlen und nüchterne Fakten regieren, war der Zugang zum eigenen Körpergefühl anfangs ungewohnt. Doch Michael erkannte schnell: Selbstwahrnehmung ist das Fundament.
„Ohne eine gute Selbstwahrnehmung bringt die beste Atemtechnik nichts. Man muss erst einmal fähig sein zu spüren, was eine Übung im Körper überhaupt bewirkt.“ — Michael Untersteiner
Erst durch das bewusste Spüren konnte er die Techniken gezielt einsetzen. Ob es darum geht, im „Hier und Jetzt“ anzukommen oder in stressigen Meetings den Fokus zu behalten – die Atmung fungiert als Anker.
DIE BOX-ATMUNG ALS ALLTAGS-WERKZEUG
Eine der effektivsten Techniken, die Michael in seinen Alltag integriert hat, ist die Box-Atmung (Box Breathing). Das Schöne daran: Man hat das Werkzeug immer dabei. Es benötigt keine Matte und kein Equipment.
WIE FUNKTIONIERT BOX BREATHING?
Die Box-Atmung folgt einem einfachen quadratischen Rhythmus:
Einatmen auf 4 Sekunden.
Anhalten auf 4 Sekunden (mit gefüllter Lunge).
Ausatmen auf 4 Sekunden.
Anhalten auf 4 Sekunden (mit leerer Lunge).
Diese Technik hilft dabei, das vegetative Nervensystem zu regulieren und den Sympathikus (unseren „Stressnerv“) zu beruhigen.
MESSBARE ERFOLGE: BLUTDRUCK SENKEN DURCH ATMUNG
Das beeindruckendste Ergebnis von Michaels Reise sind die nackten Zahlen. Durch die regelmäßige Praxis von Restorative Breathing konnte er seinen Blutdruck signifikant senken:
| Status | Blutdruck-Wert (systolisch/diastolisch) |
| Vor dem Atemtraining | 150 / 100 mmHg |
| Mit regelmäßiger Praxis | 120-130 / 85 mmHg |
Michael betont jedoch, dass dies kein „Quick Fix“ ist. Es ist eine aktive Arbeit. In Phasen, in denen er das Training schleifen lässt – etwa bei hoher Arbeitslast oder Schulstress der Kinder – steigen die Werte wieder an. Die Atmung ist ein Werkzeug zur Selbstregulation, das kontinuierlich genutzt werden möchte.
MENTALE GELASSENHEIT UND DIE „ZWEITE PERSON“
Neben den körperlichen Werten hat sich auch Michaels mentale Einstellung verändert. Timo nutzt in seinem Coaching oft das Bild der „Affen im Kopf“ – jene kreisenden Gedanken, die uns nachts wachhalten oder im Stress blockieren.
Durch Techniken wie die „Perspektive der zweiten Person“ lernt Michael, sich selbst von außen zu beobachten. Man tritt einen Schritt zurück und betrachtet die eigene Situation neutraler, fast wie ein guter Freund, der einem die Hand auf die Schulter legt. Diese Entkoppelung von der stressigen Situation schafft sofortigen mentalen Freiraum.
NASENATMUNG IM SPORT: MEHR LEISTUNG BEIM MOUNTAINBIKEN
Ein weiterer Gamechanger war der Wechsel zur konsequenten Nasenatmung, selbst unter körperlicher Belastung. Michael bereitet sich aktuell auf die „Salzkammergut Trophy“ vor – ein Mountainbike-Event mit 56 Kilometern und 1600 Höhenmetern.
Obwohl er aufgrund seines Pensums weniger trainieren konnte als geplant, stellt er fest, dass er durch die Nasenatmung leistungsfähiger ist. Die Nasenatmung filtert nicht nur die Luft und wärmt sie an, sondern optimiert auch die Sauerstoffaufnahme in den Zellen durch eine bessere CO2-Toleranz.
FAZIT: DIE KRAFT DER ATEMPAUSE
Michaels Geschichte zeigt, dass Atemarbeit weit mehr ist als „ein bisschen Luft holen“. Es ist ein mächtiges Instrument zur Gesundheitsvorsorge, Leistungssteigerung und Stressbewältigung.
Die wichtigsten Learnings aus Michaels Reise:
Selbstwahrnehmung zuerst: Lerne deinen Körper wieder zu spüren.
Kontinuität siegt: Regelmäßige kurze Pausen (2-3 Minuten) sind effektiver als seltene lange Sessions.
Nasenatmung: Nutze sie im Alltag und im Sport für mehr Energie.
Zahlen lügen nicht: Bluthochdruck lässt sich durch gezielte Atmung nachweislich positiv beeinflussen.
