DER TANZ MIT DEM ATEM: WIE RESTORATIVE BREATHING DEINE PERFORMANCE REVOLUTIONIERT
IM GESPRÄCH MIT TÄNZER & CHOREOGRAPH FLORIAN LOCHNER
In der neuesten Folge meines Podcasts „Atempause“ hatte ich die Ehre, mit einem ganz besonderen Gast zu sprechen: Florian Lochner. Florian ist nicht nur ein international erfolgreicher Profi-Tänzer und Choreograph, sondern auch Mitbegründer der Company „Flock Works Dance“. Was ihn jedoch aktuell besonders antreibt, ist die Verbindung seiner Kunst mit der Kraft des Atems. Als Teilnehmer meiner Ausbildung taucht er tief in die Welt des Restorative Breathing ein.
Wir haben darüber gesprochen, wie der Atem als unsichtbarer Partner im Tanz fungiert, wie er bei Jetlag hilft und warum die bewusste Atmung im Hochleistungssport oft unterschätzt wird.
DIE ATMUNG ALS URSPRUNG JEDER BEWEGUNG
Für Florian ist der Übergang zwischen Alltag, Kunst und Sport fließend. Er beschreibt Bewegung oft als eine Form von Wasser – geschmeidig, kraftvoll und ständig im Fluss. Doch das Fundament für diesen Flow ist immer der Atem. Ob wir morgens aufstehen, uns strecken oder ein Glas Wasser heben: Jede Bewegung beginnt mit einer Ein- oder Ausatmung.
Obwohl Florian seit über 12 Jahren auf den größten Bühnen der Welt steht, wurde ihm erst durch die Beschäftigung mit Restorative Breathing klar, wie viel Potenzial in der bewussten Steuerung des Atems steckt. Früher geschah die Atmung während der Choreographien eher unbewusst und rein reaktiv. Heute nutzt er gezielte Atemtechniken, um seine Präsenz und körperliche Leistungsfähigkeit auf ein neues Level zu heben.
HOCHLEISTUNGSSPORT TRIFFT KUNST: DIE HERAUSFORDERUNG DER HÖHENMETER
Tänzer sind im Grunde Hochleistungssportler. Florian berichtet von Tourneen, die ihn und seine Company an Orte wie Mexiko-Stadt führten. In solchen extremen Höhenlagen wird die Luft dünn, und die körperliche Belastung steigt exponentiell. Ohne das Wissen über effiziente Atemführung gerät der Körper schnell ans Limit.
Durch die Ausbildung bei mir hat Florian gelernt, wie er seinen Körper schneller an neue Umgebungen anpassen kann. Die bewusste Atmung hilft nicht nur dabei, das Lungenvolumen optimal zu nutzen, sondern reguliert auch das Nervensystem, um nach langen Flügen den Jetlag schneller zu überwinden. Statt zum dritten Kaffee zu greifen, nutzt er heute spezifische Atem-Routinen, um wach und fokussiert zu bleiben.
RESTORATIVE BREATHING IM TRAINING UND AUF DER BÜHNE
Wie sieht die praktische Umsetzung im Tanzalltag aus? Florian integriert die Atmung mittlerweile fest in seine Warm-upund Cool-down Phasen:
AKTIVIERUNG AM MORGEN: Übungen wie „Katze-Kuh“ werden mit bewussten Atemzügen kombiniert, um die Wirbelsäule zu mobilisieren und den Energiefluss anzuregen.
STABILISIERUNG: Bei Drehungen oder Seitwärtsbewegungen wird die Ausatmung gezielt eingesetzt, um die Core-Stabilität zu erhöhen.
ENTSPANNUNG NACH DER PERFORMANCE: Um das „Kopfkino“ nach einem intensiven Tag abzuschalten, nutzt er die tiefe Zwerchfellatmung.
Besonders interessant: In Kalifornien hat Florian ein komplettes Stück choreographiert, das die Atmung zum Themamacht. Dabei geht es nicht nur um die Tänzer selbst, sondern auch darum, das Publikum unterbewusst zu beeinflussen. Wenn die Zuschauer sehen und hören, wie die Tänzer tief und kontrolliert atmen, fangen sie oft an, im selben Rhythmus mitzugehen. Ein kollektives Erlebnis durch Atem-Synchronität.
WARTEZEITEN ALS MEDITATIONS-OFFENSIVE NUTZEN
Ein wertvoller Impuls von Florian betrifft unseren Umgang mit Stresssituationen, wie zum Beispiel der Einreisekontrolle an US-Flughäfen. Anstatt sich vom Stress der Warteschlangen und dem Blick aufs Handy (das den Cortisolspiegel oft noch hebt) anstecken zu lassen, nutzt er diese Zeit nun für eine Steh-Meditation.
Durch langsame, tiefe Atemzüge signalisiert er seinem Nervensystem Sicherheit. Das Ergebnis? Die Nervosität schwindet, und er bleibt selbst in hektischen Situationen vollkommen bei sich. Es braucht keine Stunde auf der Matte – oft reichen 5 bis 10 Minuten bewusste Atmung, um einen massiven Unterschied im Wohlbefinden zu bewirken.
SYMBIOSE IM PARTNER-DANCE: WENN ZWEI KÖRPER EINS WERDEN
Einer der faszinierendsten Aspekte unseres Gesprächs war die Partnerarbeit. Florian beschreibt, wie er und seine Tanzpartnerin Alice oft so synchron atmen, dass das Publikum sie als eine Einheit wahrnimmt.
„Ich spüre, wie sie atmet, und ich atme mit ihr. Wir finden eine komplett neue, gemeinsame Atmung.“
Diese Form der Verbindung durch Atem ist ein Kernaspekt dessen, was wir auch in meinen Kursen erleben. Der Atem verbindet uns nicht nur mit uns selbst, sondern schafft eine energetische Brücke zu unseren Mitmenschen.
SYNCHRONITÄT UND KOLLEKTIVE ENERGIE
In der Welt des professionellen Tanzes ist die Gruppensynchronität entscheidend. Florian erinnert sich an Zeiten in seiner Company, in denen die Atmung das einzige Signal war. Wenn Musik fehlt oder die Gruppe räumlich getrennt ist, wird das Geräusch des Atems zum Dirigenten. Ein gemeinsames Einatmen signalisiert den Start, die Ausatmung den Fluss der Bewegung.
Dieses „Hören aufeinander“ ist eine Fähigkeit, die wir in unserer modernen Gesellschaft oft verloren haben. Wir kapseln uns mit Noise-Cancelling-Kopfhörern ab und verlieren die Anbindung an unsere Umwelt. Im Tanz hingegen ist die vollständige Präsenz im Außen nur möglich, wenn man zuerst bei sich selbst angekommen ist. Restorative Breathingbietet hier das Werkzeug, um diese innere Basis zu schaffen, damit die Interaktion im Außen – sei es auf der Bühne oder im Büro – harmonisch verläuft.
DAS PRINZIP DER FÜRSORGE: PARTNER WORK NEU GEDACHT
Ein tiefgreifender Moment des Interviews war Florians Beschreibung seiner Partnerschaft mit Alice. Er verfolgt das Prinzip: „Ich kümmere mich mehr um sie als um mich selbst.“ Wenn beide Partner diese Einstellung teilen, entsteht ein Gleichgewicht der Kräfte.
Im zeitgenössischen Tanz, der im Gegensatz zum klassischen Ballett sehr grounded (geerdet) ist, spielt das Vertrauen eine zentrale Rolle. Man lässt sich fallen, wird gefangen, hebt und wird gehoben. Diese Dynamik funktioniert nur, wenn die Atmung beider Partner im Einklang ist. Eine Hebung wird durch das gemeinsame Atmen nicht nur leichter, sondern auch ästhetischer und stabiler.
DIE „LOCHNER-ATMUNG“: KREATIVITÄT DURCH BREATHWORK
Florian hat während unserer Zusammenarbeit eine eigene Technik entwickelt, die ich scherzhaft die „Lochner-Atmung“nenne. Er kombiniert die Bienenatmung (Brahmari) mit fließenden Bewegungen. Dabei nutzt er das Brummen der Ausatmung, um so lange in Bewegung zu bleiben, bis die Lungen leer sind. Diese Kombination aus:
CO2-Toleranz-Training
Stickstoffmonoxid-Aktivierung
Vagusnerv-Stimulation
führt zu einer tiefen Deaktivierung des Stresszentrums bei gleichzeitiger körperlicher Mobilität. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie Restorative Breathing individuell an den eigenen Lebensstil und Beruf angepasst werden kann.
DIE GRÖSSTEN BENEFITS: AUSDAUER UND REGENERATION
Zum Abschluss fasste Florian zusammen, was sich durch das gezielte Atemtraining für ihn persönlich verändert hat:
GESTIEGENE AUSDAUER: Seine Leistungsfähigkeit auf der Bühne ist konstanter.
KEINE ENERGIE-DROPS: Die typischen „Nachmittagstiefs“ gehören der Vergangenheit an, da er sein Energieniveau über den Atem reguliert.
BESSERE DURCHBLUTUNG: Ein spannendes Detail – Florian neigte früher zu einem extrem roten Kopf bei Anstrengung. Durch die verbesserte Sauerstoffverwertung und funktionale Atmung hat sich dieses Phänomen deutlich reduziert.
MENTALE STÄRKE: Die Fähigkeit, sich durch den Atem sofort zu zentrieren, schützt ihn vor Verletzungen, da er präsenter in seinem Körper ist
FAZIT: DER ATEM ALS DEIN STÄRKSTES WERKZEUG
Die Folge mit Florian Lochner zeigt eindrucksvoll: Atmung ist weit mehr als nur Sauerstoffaufnahme. Sie ist Kommunikation, Kunst, Performance-Booster und Heilmittel in einem. Egal, ob du Profisportler bist oder einfach nur gelassener durch deinen Alltag kommen möchtest – der Schlüssel liegt in deiner Nase.
Wenn du mehr über die Techniken erfahren möchtest, die Florian anwendet, oder selbst tiefer in das Thema Restorative Breathing einsteigen willst, schau dir mein Zero to Hero Programm an. Dort lernst du alles von den funktionalen Basics bis hin zu fortgeschrittenen mentalen Techniken.
