#139 – Atmung & Emotionen: Zusammenhang, Umgang & Einfluss

Atempause Podcast Cover mit Timo Niessner
In dieser Episode spreche ich darüber in welchem Zusammenhang Emotionen und Atmung stehen.
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Atmung & Emotionen

WIE DU ÜBER DEINEN ATEM DEINE GEFÜHLSWELT STEUERST

Hattest du schon einmal das Gefühl, dass dir in einer stressigen Situation sprichwörtlich der Atem stockt? Oder dass deine Atmung bei Wut plötzlich kurz und abgehackt wird? Es ist kein Zufall, dass unsere Sprache so eng mit dem Atem verknüpft ist. In der neuesten Folge der „Atempause“ tauchen wir tief in das Zusammenspiel von Atmung und Emotionen ein. Wir beleuchten den Zusammenhang, den richtigen Umgang und den massiven Einfluss, den du aktiv oder passiv auf dein Wohlbefinden ausüben kannst.

Mein Name ist Timo, und ich möchte dir zeigen, wie du durch gezielte Techniken und ein tieferes Verständnis deines Körpers – ganz im Sinne des Restorative Breathing – zu mehr innerer Ruhe und emotionaler Freiheit findest.

 

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN EMOTION UND ATMUNG

Der erste Schritt zu einer besseren Selbstregulation ist das Verständnis der biologischen Prozesse. Wenn wir starke Emotionen erleben, reagiert unser Körper unmittelbar. Meistens bemerken wir zuerst, dass die Atmung flacher und hochfrequenter wird. Wir atmen weniger tief ein und stoßen die Luft oft schnell wieder aus. Dieser Modus ist ein direkter Spiegel unseres Nervensystems.

Befinden wir uns in einer negativen Emotionsspirale – etwa bei Angst oder aufkommender Panik – skalieren wir diese Gefühle oft unbewusst durch unsere Atmung nach oben. Wir „atmen uns hinein“ in den Stressmodus. Hier dominiert der Sympathikus, jener Teil des Nervensystems, der für die „Fight or Flight“-Reaktion zuständig ist.

Das Ziel des Restorative Breathing ist es jedoch, den Switch zu schaffen: Weg von der sympathischen Dominanz hin zur parasympathischen Aktivierung. Der Parasympathikus ist dein innerer Ruhepol. Sobald du lernst, deine Atmung bewusst zu verlangsamen (niedrigfrequente Atmung), sendest du ein direktes Signal an dein Gehirn: „Ich bin in Sicherheit.“

 

DIE DREI RHYTHMEN DES KÖRPERS

Interessanterweise ist der Atemrhythmus einer von drei fundamentalen Rhythmen, die uns von Beginn unseres Lebens an begleiten:

  1. Der kraniosakrale Rhythmus (die feine Bewegung der Knochen).

  2. Die Herzfrequenz.

  3. Der Atemrhythmus.

Diese Rhythmen entstehen in genau dieser Reihenfolge während unserer Entwicklung als Embryo und verlassen uns am Ende des Lebens in umgekehrter Folge. Der Atem ist dabei das Werkzeug, das wir am einfachsten bewusst steuernkönnen, um die anderen Systeme zu beeinflussen.

 

AKTIVER UMGANG: DIE ATMUNG ALS REGULATOR

Im Alltag begegnen uns ständig Situationen, die uns emotional fordern: ein hitziges Meeting, ein Konflikt in der Familie oder der Stress im Straßenverkehr. Hier unterscheide ich zwischen dem aktiven und dem passiven Umgang.

Beim aktiven Umgang nutzt du deine Atmung ganz gezielt als Werkzeug. Wenn du merkst, dass Wut oder Unruhe in dir aufsteigt, kannst du sofort gegensteuern. Eine bewährte Methode ist das Box Breathing:

  • 5 Sekunden einatmen

  • 5 Sekunden halten

  • 5 Sekunden ausatmen

  • 5 Sekunden halten

Noch effizienter zur Beruhigung ist es jedoch, den Fokus primär auf die Verlängerung der Ausatmung zu legen. Atme tief durch die Nase ein und lass die Luft ganz langsam durch den Mund entweichen, während du den Bauch leicht anspannst. Schon zwei bis drei Runden dieser Deaktivierung reichen oft aus, um das Nervensystem zu regulieren und wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Genauso kannst du die Atmung zur Aktivierung nutzen. Wenn du dich lethargisch oder müde fühlst, hilft eine schnelle, betonte Einatmung, um den Sympathikus sanft zu pushen und neue Energie zu generieren.

 

PASSIVER UMGANG: DER BETRACHTER-MODUS

Der wohl schwierigste, aber auch transformativste Teil ist der passive Umgang. Oft haben wir den Drang, eine Emotion sofort „wegmachen“ oder verändern zu wollen. Doch beim passiven Ansatz geben wir der Emotion Raum.

Stell dir vor, dein Körper ist ein Theater. Anstatt selbst auf der Bühne der Emotionen mitzuspielen, setzt du dich in den Zuschauerraum. In diesem Betrachter-Modus beobachtest du lediglich die körperlichen Empfindungen.

Eine Emotion ist im Grunde nichts anderes als eine Bewertung einer körperlichen Empfindung. Vielleicht zieht sich dein Hals zusammen, dein Brustkorb wird eng oder deine Hände kribbeln. Wenn wir diesen Empfindungen Namen wie „Angst“ oder „Stress“ geben, laden wir sie energetisch auf. Wenn du stattdessen die Augen schließt und einfach nur wahrnimmst: „Da ist ein Druck im Brustkorb“, nimmst du der Emotion die destruktive Kraft.

In diesem Zustand der wertfreien Beobachtung beginnt die Magie: Deine Atmung verändert sich automatisch. Sie passt sich den Bedürfnissen deines Körpers an und reguliert sich von selbst, sobald du aufhörst, die Emotion zu unterdrücken. Dieses „Seinlassen“ ist ein zentraler Aspekt meiner Arbeit im Restorative Breathing

 

DER EINFLUSS AUF KÖRPER, GEIST UND UMWELT

Die Auswirkungen einer bewussten Atemführung sind weitreichend. Wir beeinflussen damit nicht nur unsere Psyche, sondern messbare physische Parameter:

  • Körperlicher Einfluss: Regulierung von Herzfrequenz, Blutdruck und sogar des pH-Werts im Blut.

  • Mentaler Einfluss: Durch den Fokus auf den Körper stoppen wir das Gedankenkarussell. Der präfrontale Cortex wird besser mit Sauerstoff versorgt, was logisches Denken erst wieder möglich macht.

  • Kommunikativer Einfluss: Wer emotional geladen ist, kommuniziert oft destruktiv. Durch die Atemregulation schaffst du die Basis für ein sachliches Gespräch. Du lernst, bei dir selbst zu bleiben, anstatt nur auf Reize von außen zu reagieren.

 

VERÄNDERE DICH, UND DEINE UMWELT VERÄNDERT SICH

Wenn du beginnst, aktiv mit deiner Atmung zu arbeiten, wird das langfristig auch von deinem Umfeld wahrgenommen. Du wirst ruhiger, souveräner und weniger anfällig für externe Stressfaktoren. Es ist ein systemischer Prozess: Dein innerer Frieden strahlt nach außen.

 

PRAXISTIPP: DIE EXPLORATIVE ATEMSESSION

Ich lade dich ein, eine kleine explorative Atemsession auszuprobieren. Nimm dir 15 bis 20 Minuten Zeit (nicht nur Sekunden!), schließe die Augen und folge den Impulsen deines Körpers. Achte darauf, was da ist, ohne es zu steuern. Lass Tränen, Lachen oder sogar einen Schrei zu, wenn er raus möchte. Das ist emotionale Reinigung in ihrer reinsten Form.

FAZIT

Die Verbindung von Atmung und Emotionen ist ein mächtiger Hebel für deine Gesundheit und dein Glück. Ob durch den Zusammenhang im Nervensystem, den bewussten Umgang im Alltag oder den langfristigen Einfluss auf deine Umwelt – du hast es buchstäblich in der Hand (oder in der Lunge).

Wenn du tiefer in diese Themen eintauchen möchtest, schau dir gerne meine Ausbildung zum Thema Restorative Breathing an oder höre in die weiteren Folgen der Atempause rein.

Vielen Dank fürs Lesen und Zuhören. Ich freue mich über dein Feedback in den Kommentaren oder per E-Mail an mail@restorativebreathing.org.

Pass auf dich auf und atme tief durch!

Dein Timo

 

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