Atem basics im Yoga
IM DIALOG MIT SILVIO FRITZSCHE
In der neuesten Folge meines Podcasts hatte ich die Ehre, ein wahres Urgestein der deutschen Yoga-Szene zu begrüßen: Silvio Fritzsche von Yoga Basics. Wir haben tiefgreifend darüber gesprochen, wie die Verbindung von Yoga und Atmungnicht nur die körperliche Flexibilität, sondern vor allem die innere Freiheit fördert. Silvio teilt seine über 25-jährige Erfahrung und erklärt, warum die Grundlagen oft die kraftvollsten Werkzeuge sind, um im eigenen Körper anzukommen.
DER WEG VOM SCHMERZ ZUR FREIHEIT
Silvio ist heute für seine beeindruckende Beweglichkeit bekannt, doch sein Start im Yoga war alles andere als geschmeidig. Er beschreibt sich selbst als ursprünglich stocksteif. Akute Rückenschmerzen, rheumatische Beschwerden und Entzündungen im Körper – insbesondere im Brustbein – machten ihm sogar das Atmen schwer. Jeder tiefe Atemzug war mit Stichen verbunden.
Es waren die Yoga Basics, die ihm halfen, sich aus diesem Zustand zu befreien. Über die Jahre entwickelte er durch regelmäßige Praxis ein Körpergefühl, das über die reine Dehnung hinausgeht. Heute ist seine Message klar: Es geht nicht darum, die kompliziertesten Asanas zu meistern, sondern darum, sich im eigenen Körper wohlzufühlen und die natürliche Atmung als Geschenk anzunehmen.
ANUSARA YOGA UND DIE KRAFT DER AUSRICHTUNG
Ein Wendepunkt in Silvios Praxis war die Entdeckung des Anusara Yoga. Dieser Stil basiert auf einer tantrischen Philosophie und setzt auf universelle Ausrichtungsprinzipien. Hier spielt die Atmung eine zentrale Rolle, die weit über das bloße Luftholen hinausgeht.
Im Anusara Yoga arbeiten wir mit zwei energetischen Gegenpolen:
Muskuläre Energie: Die Kraft, die von außen ins Zentrum zieht (oft verbunden mit der Einatmung).
Organische Energie: Die Ausdehnung aus dem Zentrum heraus (verbunden mit der Ausatmung).
Diese Balance zwischen Stabilität und Expansion ermöglicht es, in jeder Übung eine tiefe Balance zu finden. Das Ziel ist es, den natürlichen Atem wieder einzuladen. Wenn wir aufhören, den Atem in starre Schemata zu pressen, entsteht ein Zustand von Freiheit – im Yoga als Ananda (Freude) bezeichnet.
DIE ESSENZ DES PRANAYAMA: WENIGER IST MEHR
Wir leben in einer Zeit, in der Breathwork und Yoga oft mit viel Marketing und „Hokuspokus“ aufgeladen werden. Silvio und ich sind uns einig: Die wahre Kraft liegt in der Einfachheit. Es braucht keinen „Klimbim“ drumherum. Wenn das Fundament – die Basics – stimmt, entfalten die Techniken ihre volle Wirkung.
Silvio betont, dass viele westliche Ansätze die Dinge unnötig verkomplizieren. In Indien begegnete er Lehrern, die mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Unbekümmertheit an Pranayama herangingen. Diese Authentizität ist es, die wir in unsere moderne Praxis zurückholen müssen. Der Atem ist der beste Lehrer – er zeigt uns ohne Bewertung, wo wir gerade stehen.
VIER ATEMTECHNIKEN FÜR DEINEN ALLTAG
Für alle, die tiefer in die Welt des Yoga und der Atmung eintauchen wollen, empfiehlt Silvio vier grundlegende Techniken, die eine enorme Hebelwirkung auf das Nervensystem haben:
WECHSELATMUNG (NADI SHODHANA): Ideal zur Beruhigung und Harmonisierung, besonders am Abend.
KAPALABHATI: Die „Glänzende Schädel“-Atmung wirkt wie ein energetischer Espresso am Morgen.
UJJAYI-ATMUNG: Der „siegreiche Atem“ schafft Fokus und Wärme während der Yoga-Praxis.
QUADRATATMUNG (BOX BREATHING): Eine einfache Methode, um das Nervensystem sofort zu stabilisieren.
Diese Techniken sind die Basis für das, was wir bei Restorative Breathing lehren: Den Zugriff auf das eigene System zurückzugewinnen und die funktionellen Grundlagen der Atmung zu meistern.
DIE VERBINDUNG VON KÖRPER UND GEIST
Ein faszinierender Aspekt unseres Gesprächs war die anatomische Verbindung im Körper. Wusstest du, dass der Psoas(der Hüftbeugemuskel) über Faszien direkt mit dem Zwerchfell verbunden ist? Wenn wir also durch Yoga unsere Hüften öffnen und Spannungen lösen, hat das eine direkte Rückkopplung auf unsere Atemqualität.
Silvio erklärt, dass eine aktive Bauchdecke entscheidend für eine vollständige Ausatmung ist. Wer seinen Körper versteht und ihn durch Yoga-Übungen vorbereitet, schafft ein stabiles „Gefäß“ für die Energie, die durch intensives Pranayama freigesetzt wird. Ohne diese körperliche Basis können starke Atemtechniken das System manchmal überfordern.
VOM LEISTUNGSDRUCK ZUR RAUM- UND ZEITAUFLÖSUNG
Viele Menschen bringen den Leistungsgedanken aus ihrem Alltag mit auf die Yoga-Matte. Sie wollen Übungen „perfekt“ machen oder Atemzüge zählen. In meinen Sessions und auch in Silvios Unterricht führen wir die Teilnehmer jedoch weg vom Bewerten hin zum Geschehenlassen.
Ein beeindruckendes Beispiel aus Silvios Online-Sessions: Er ließ Teilnehmer ihre Atemzüge pro Minute vor und nach einer 60-minütigen Yoga-Einheit zählen. Während einige gestresst mit 15 Atemzügen starteten, sanken viele am Ende in Savasana auf nur 2 bis 3 Atemzüge pro Minute ab – ganz natürlich, ohne Forcieren.
In diesem Moment geschieht das, was wir als Raum- und Zeitauflösung bezeichnen. Man ist vollkommen losgelöst von äußeren Reizen und ruht in der eigenen Essenz. Das ist die wahre Belohnung einer achtsamen Praxis.
FAZIT: DER ATEM ALS ANKER
Yoga und Restorative Breathing sind zwei Seiten derselben Medaille. Während Yoga den Körper öffnet und ausrichtet, gibt uns die Atmung die Energie und die Ruhe, um diesen Raum zu füllen. Silvio Fritzsche erinnert uns daran, dass wir keine komplizierten Konzepte brauchen, um Heilung und Freiheit zu erfahren.
Die Freude (Ananda) sollte unser Kompass sein. Wenn wir neugierig bleiben und uns erlauben, die Basics immer wieder neu zu entdecken, wird der Atem zu einem unerschütterlichen Anker in einer hektischen Welt.
DEIN NÄCHSTER SCHRITT ZU MEHR GELASSENHEIT
Möchtest du die heilende Kraft deiner Atmung direkt erleben? In unserer Restorative Breathing Community begleite ich dich persönlich dabei, deine Atemmuster zu optimieren und tiefe Entspannung zu finden.
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Wie Silvio so schön sagt: „Wir sehen uns auf der Matte!“
Dein Timo
