Abgrenzung in Breathwork Sessions – ZWISCHEN SCHUTZRAUM UND OFFENHEIT
UMGANG MIT ERFAHRUNGEN IM INNEN & AUßEN
Herzlich willkommen zu einem tiefen Einblick in die Welt des Atems. In der neuesten Folge unseres Podcasts dreht sich alles um ein Thema, das sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Breathwork-Coaches von entscheidender Bedeutung ist: die Abgrenzung. Wenn wir über Restorative Breathing oder hochfrequente Atem-Sessions sprechen, geht es oft um das Eintauchen in tiefe Prozesse. Doch wie viel Nähe lassen wir zu? Wo setzen wir Grenzen, um uns selbst zu schützen, und wann verhindert zu viel Abgrenzung das nötige Wachstum? Timo teilt hier seine neuesten Erkenntnisse aus Retreats und der eigenen Selbsterfahrung.
WAS BEDEUTET ERFAHRUNG IM BREATHWORK?
Bevor wir uns der Abgrenzung widmen, müssen wir verstehen, was wir in einer Session überhaupt erfahren. Breathwork ist weit mehr als nur Ein- und Ausatmen. Es ist ein Tor zu unserem Bewusstsein. Während einer Session können unterschiedliche Ebenen aktiviert werden:
Mentale Ebene: Neue Perspektiven und veränderte Gedankenmuster.
Körperliche Ebene: Sensorische Empfindungen, Kribbeln oder thermische Veränderungen.
Emotionale Ebene: Das Aufsteigen von tief sitzenden Gefühlen, die oft im Alltag weggedrückt werden.
Transpersonale Ebene: Erfahrungen, die über das normale Zeit- und Raumgefühl hinausgehen.
Ob du nun in einer hochfrequenten Session (oft als klassisches Breathwork bekannt) arbeitest oder dich in den Bereich der Hypoventilation begibst – also das Atmen auf unter fünf Atemzüge pro Minute reduzierst –, dein Körper und Geist treten in einen Dialog. Restorative Breathing setzt hier an, um einen regenerativen Zustand zu schaffen, in dem Heilung durch Wahrnehmung geschieht.
DIE DUALITÄT: ABGRENZUNG VERSUS OFFENHEIT
Ein zentraler Punkt, den Timo betont, ist das Zusammenspiel von Abgrenzung und Offenheit. Viele Menschen kommen mit einer gewissen Furcht in eine Session. Sie haben Angst vor dem Kontrollverlust. Hier dient die Abgrenzung als Schutzmechanismus. Das Schöne am Atem im Vergleich zu psychedelischen Substanzen ist: Du hast jederzeit die Kontrolle. Wenn es dir zu viel wird, kannst du die Session verlassen, die Augen öffnen und durch die Nase zu einem beruhigenden Rhythmus zurückkehren.
Doch Vorsicht: Wer sich bereits vor der Session komplett abgrenzt, nimmt sich die Chance auf Wachstum. Dein Körper gibt dir nur das, was du in der Lage bist zu verarbeiten. Wahre Transformation geschieht oft genau hinter dem Punkt, an dem wir normalerweise “Stopp” sagen würden. Die Offenheit für Neues ist das Gegenstück zur Abgrenzung. Sie bedeutet, sich als Medium für die eigene Erfahrung zu sehen und den Dingen mit Respekt statt mit Furcht zu begegnen.
INTERNE ABGRENZUNG: DER BEOBACHTER-MODUS
Manchmal ist es sinnvoll, eine Mischform zu wählen. Timo empfiehlt hier die interne Abgrenzung. Das bedeutet, dass du auf der körperlichen und emotionalen Ebene vollkommen offen bleibst und die Energie fließen lässt, dich aber auf der mentalen Ebene abgrenzt. Du nimmst die Rolle eines neutralen Beobachters ein.
“Ich schaue zu, was körperlich passiert, aber ich interagiere nicht wertend mit dem Prozess.”
Diese mentale Distanz erlaubt es dir, auch durch intensive Widerstände hindurchzugehen, ohne dich darin zu verlieren. Widerstände sind oft Wegweiser zu verborgenen Anteilen in uns, die gesehen werden wollen.
EXTERNE ABGRENZUNG UND GRUPPENDYNAMIK
Ein besonders spannendes Feld ist die Abgrenzung im Außen, besonders bei Live-Events oder Retreats. Wenn neben dir jemand schreit, weint oder intensiv atmet, kann das deinen eigenen Prozess beeinflussen. Hier ist es wichtig, auf der eigenen “Erfahrungsinsel” zu bleiben.
Nur weil eine andere Person eine explosive emotionale Erfahrung macht, heißt das nicht, dass dein Prozess “falsch” ist, wenn er bei dir eher ruhig und mental abläuft. Die Abgrenzung nach außen schafft den nötigen Raum, um die Offenheit nach innen erst zu ermöglichen. Es ist völlig legitim, sich eine energetische “Bubble” zu erschaffen, in der nur du und dein Atem existieren.
REFLEXION UND INTEGRATION IM ALLTAG
Abgrenzung endet nicht mit der Breathwork-Session. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bei Restorative Breathing ist die Integration. Oft brauchen wir nach einer tiefen Erfahrung erst einmal Abstand. In unseren Retreats lassen wir bewusst Zeit verstreichen – für Saunagänge, Spaziergänge oder eine Nacht Schlaf –, bevor wir in die Bildbesprechung oder den Austausch gehen.
Diese zeitliche Abgrenzung schützt davor, die Erfahrung sofort intellektuell “zerpflücken” zu wollen. Erst durch das Sackenlassen können sich die gewonnenen Erkenntnisse festigen. Auch im sozialen Leben kann Abgrenzung ein Akt der Selbstliebe sein. Zu erkennen, welche Beziehungen toxisch sind oder wo man im Business klare Grenzen setzen muss, ist oft ein direktes Resultat der Klarheit, die wir durch den Atem gewinnen.
MEIN ZIRKUS, MEINE AFFEN – ODER EBEN NICHT
Ein wichtiger Merksatz, den Timo immer wieder betont: “Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.” In einer Welt, die uns ständig mit externen Impulsen bombardiert, hilft uns die im Breathwork gelernte Abgrenzung dabei, bei unserer eigenen Energie zu bleiben. Das gilt für die Matte genauso wie für den Büroalltag. Wenn wir lernen, klare Ansagen zu machen und unsere Grenzen zu verteidigen, fühlen wir uns emotional oft befreiter und offener für die Dinge, die uns wirklich weiterbringen.
ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zusammenfassend lässt sich sagen: Abgrenzung in Atem-Sessions ist kein Ausschluss von Erfahrung, sondern die Schaffung eines sicheren Rahmens.
Schenke dir Zeit: Erlaube dir, Erfahrungen spielerisch zu hinterfragen.
Nutze die Kontrolle: Du bestimmst die Tiefe deiner Reise durch deinen Atemrhythmus.
Bleib auf deiner Insel: Vergleiche deine Erfahrung nicht mit der Dynamik anderer Teilnehmer.
Wähle die Frequenz: Nutze niedrige Frequenzen für mentale Klarheit und hohe Frequenzen für körperliche Entladung.
Wenn du tiefer in diese Themen eintauchen möchtest, bietet unsere Ausbildung zum Breathwork Coach oder unser Zero to Hero Programm den perfekten Rahmen. Dort lernst du nicht nur die Techniken des Restorative Breathing, sondern auch, wie du Räume hältst, in denen Abgrenzung und Offenheit im Einklang stehen.
